Hallo zusammen,
80 Tage
In 80 Tagen um die Welt von Jules Verne fällt mir dazu ein.
In 80 Tagen in eine andere Welt, passt nicht.
In 80 Tagen anders in die Welt, ja das passt.
Hier könnte ich ja mal heute schreiben was sind die Hauptunterschiede im alltäglichen Leben.
Es gibt Momente wo mich die Behinderung nicht stört, ich dies auch nicht wahrnehme.
Auf der anderen Seite gibt es Momente wo ich damit sehr zu kämpfen habe.
Damit ist nicht nur gemeint die Sachen die ich nicht mehr kann, sondern auch die kleinen alltäglichen, die man jeden Tag macht.
Ich glaube dies ist ein längeres Thema, hoffentlich finde ich heute die Zeit dazu ausführlich und umfassend genug zu schreiben.
Als erstes kann ich bei dem Lied Arsch hu un Zäng usseinander nur das zweite. Für das erste benötige ich beide Arme. Dies bedeutet, dass dann bei gewissen Erfordernissen eine Hand fehlt. Ich glaube jeder kann sich selber ausmalen was damit gemeint ist.
Wenn einer sagt, der kriegt ja den A…. nicht hoch, stimmt es sogar……. Bitte grinsen ;-)
Dies fängt aber auch schon bei einfachen Sachen an wie Hose anziehen. Dies geht zum Schluss nur im liegen mit dreimal von links nach rechts drehen. Dann gilt es zu hoffen, dass die Hose gerade ist.
Das ich das Gesäß nicht heben kann ist eins der Hauptprobleme, daraus folgen viele Folgeprobleme, die ich nicht alle aufzählen kann.
Frei sitzen ohne Halt ist auch nur im beschränkten Umfang möglich. Wenn ich einen gewissen Bereich verlasse kippe ich um. Dann muss ich mich irgendwo festhalten, wenn nicht bums liege ich da. Im freien sitzen muss balanciert werden, so z.B. rechter Arm nach vorne, kompensieren mit dem Körper und linkem Arm. Dies wird auch permanent geübt.
Dann sind da natürlich auch die Beine. Die schlackern da unten unmotiviert herum. Wenn ich die Beine im Bett ausstrecken will, muss ich sie einfach wegwerfen oder mühevoll im sitzen ausstrecken. Auch wenn sie aus dem Fußbrett des Rollis fallen, merke ich es erst mal nicht, dann werden sie wieder positioniert. Dies geschieht zum Beispiel wenn der Untergrund nicht eben ist, irgendwann hüpfen sie heraus.
Auf der anderen Seite werden die Beine bei einem Transfer, das ist zum Beispiel aus dem Rollstuhl ins Bett, dazu benutzt Höhe zu gewinnen. Das ist wie bei den Enten. Zuerst werden die Beine vor dem Körper angewinkelt positioniert. Danach stemmt man sich nach vorn und hoch. Nach dem Motto Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höhe, kommt das Gesäß durch die Hebelwirkung höher als bei einem senkrechten anheben. Die Arme sind dann weg vom Gesäß und das selbige dann wie Stippefötche geht weiter hoch. Dies kann jeder ja mal ausprobieren.
Ein anderes Problem sind Sachen die auf die Erde fallen. Rein nach Murphy fallen die immer da hin wo man schlecht dran kommt. Dies passiert ja auch normalerweise, nur der Einzugsbereich ist bedeutend kleiner und es fallen bedeutend mehr Sachen auf die Erde.
Das Thema Inkontinenz spare ich mal aus.
Hindernisse auf der Strasse oder Bodengegebenheiten sind natürlich auch bedeutender. Ein zu hoher Bordstein zum Beispiel ist unüberwindbar, zumindest noch für mich.
Hohe Regale und Schränke muss ich nicht weiter ausführen.
Ein in normaler Höhe montierter Herd lässt mich meine 3 Sterne verlieren, weil ich nicht in den Topf schauen kann.
Eine nicht weit genug zu öffnende Fahrertür am neuen A4 wird mich zum nicht Audi Fahrer machen.
Wenn der Rolli mit seinen Rädern nicht weit genug unter einen Tisch fahren kann, schlabbere ich beim Essen meine Hose voll. Dies ist nicht so selten. Tische mit nur einem zentralen Bein in der Mitte sind da oft ein Problem.
Steigungen sind ein großes Problem. In meiner Firma würde der Weg im Rolli aus dem Bürogebäude nach oben in die Montagehalle, wenn im Slalom machbar ca. 45 min dauern. Dies ist nur geschätzt. Auch müsste ich wahrscheinlich duschen. Dazu währen dann die entsprechenden Hilfsmittel wieder erforderlich, wie Duschstuhl.
Die ca. 700 m von meinem Haus zu Aldi, waren schon sehr anstrengend. Danach war ich auch ziemlich geschafft. Die Steigungen waren aber bedeutend geringer.
Nicht zu unrecht sagt die Norm für Rampen eine Steigung von 6% aus. Das ist sehr wenig.
Heute hatte ich Stadttraining. Der Zugang oder besser die Zufahrt in den Bus, wohlgemerkt es war ein behindertengerechter Bus, war für mich schon alleine unmöglich. Hier in der Klinik sind viele die bedeutend weniger Fit sind als ich. Für mich ist es eine Frechheit dies Rollstuhlgerecht zu nennen.
Danach habe ich gelernt wie man Rolltreppen mit dem Rolli fährt, hoch und runter. Im Prinzip ganz einfach.
Wenn man runter will, rückwärts drauf und an dem Handlauf festhalten und auf eine Stufe ziehen die sich dann bildet. Später wenn man runter muss, kurz das Gewicht nach vorne verlagern und abstoßen.
Wenn man hoch will, vorwärts drauf und wieder in die Stufe ziehen, wenn die Treppe aufhört, Gewicht etwas nach hinten verlagern, damit die vorderen Räder entlastet sind und mit kurzem Ruck über den Absatz ziehen.
Das Thema Bordsteine habe ich heute wieder erlebt. Ein aus Asphalt gegossener provisorischer Belag ohne Bordstein, hat dafür gesorgt, dass ich auf der Strasse lag. Sofort stürmten ca. 6 Personen auf mich zu. Ich kam mir vor wie ein beim Karnevalszug geworfenes Stofftier im Riesenformat. Jeder zerrte an irgendwas. Zum Glück kam der Therapeut und koordinierte dann die hilfsbereiten Karnevalsjecken. Sonst gäbe es vielleicht jetzt 3-4 von mir, nur keiner vollständig.
Ich schweife jetzt etwas ab, aber dies sind die besten Beispiele aus dem Alltag.
Das Thema kann ich heute nicht abschließend behandeln. Also werde ich immer wieder Beispiele nennen.
Trotz alledem geht es mir zur Zeit eigentlich gut. Es ist vielleicht verwunderlich aber mental geht’s mir besser als halt körperlich. Was man ganz klar sagen muß, dies ist wichtiger als das körperliche.
Noch eine Nachricht, es gibt nun eine Kostenübernahme der Krankenkasse bis 6.1.09.. Also werde ich ein paar Weihnachtlieder in der Godeshöhe singen, nur dann werden die mich sicher rausschmeißen.
B. Pasman
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