Hallo zusammen,
nachdem ich einige Tage nichts geschrieben habe, werde ich heute mal wieder etwas mehr schreiben. Zum einem ist es an der Zeit zum anderen wenn ich die Zahl neben dem Datum sehe, gibt es schon einen besonderen Anlas.
100
Regierungen werden nach 100 Tagen bewertet.
Eine Bewertung kann ich auch abgeben.
Nur fällt diese Bewertung je nach Tageszeit und Stimmung gegebenenfalls sehr unterschiedlich aus.
Ich könnte eine Frustbewertung eine normale oder eine geschönte abgeben.
Eine Frustbewertung gebe ich besser nicht ab. Dies wäre nichts für die große Öffentlichkeit. Auch wird dieser Frust immer wieder in den Hintergrund verdrängt.
Auf jeden Fall kann ich ein paar Beispiele nennen, die mir Frust bereiten.
So zum Beispiel wenn ich etwas nicht machen kann, was ich machen möchte.
Ganz einfach etwas nehmen, was ich nicht erreichen kann. Dann will ich einfach aufstehen, aber die lahmen oder nur physikalisch vorhandnen Beine wollen oder besser können nicht.
Eine andere Sache ist, wenn ich „abgeführt“ habe und es alleine nicht schaffe wieder in einen gesäuberten und gebrauchsfertigen Zustand zu kommen.
Dann liege ich da und harre der Dinge die da kommen.
Das ist dann wieder die totale Abhängigkeit, obwohl die interne Bewertung der Klinik mir Selbstständigkeit bescheinigt. Da bin ich anscheinend so was wie ein Musterschüler. Dies stimmt wenn die Reihenfolge aller Dinge stimmt und kein Dominostein in der Mitte umfällt, anders ausgedrückt die Sonne scheint, der Lottoschein die richtigen Nummern trägt und die Bank anruft, weil das Girokonto überläuft.
Nur was soll ich machen, wenn ich im Bett auf der einen Seite liege, neben mir 3 Kilo ohne Knochen verdauter Nahrung liegen und alles zum Reinigen unerreichbar ist, nicht zuletzt durch meine in dem Fall eingeschränkte Beweglichkeit. Außerdem habe an der Stelle wo es dann auf ankommt keine Augen, wer hat das schon.
In diesem Fall keine perfekte Reinigung durchführen zu können verursacht dann schon einen gewaltigen Kolalateralschaden. So zum Beispiel an der Kleidung, am Rolli und wer weis wo sonst noch.
Ganz platt gesprochen ist dies ein Scheißthema.
Die Hilflosigkeit und die Abhängigkeit sind Sachen die mir schwer zu schaffen machen.
Der Frust, der dann entsteht ist schon gewaltig. Dies nervt ganz tief innen drin. Schwarze Gedanken kommen dann schon hier und da auf.
Wenn der MDK zur Feststellung einer möglichen Pflegestufe diesen internen Bericht der Klinik sieht, gibt es keine Pflegestufe und damit auch keine mögliche finanzielle Förderung, dies ist sowieso nur 2556 Euro mit 10% Selbstbeteiligung. Für mich irgendwie ein sekundäres Thema. Zur Not tue ich damit das was ich oben beschrieben habe.
Ein anderes Thema ist wie sich die Zeiten ändern. Vor einigen Jahren habe ich meine Tochter im Kinderwagen geschoben, heute ist es umgekehrt. Sie schiebt mich gekonnt durch die Einkaufscity und Kaufhäuser. Nur manchmal muss ich zur Sicherheit von anderen Personen bremsen.
Wenn ich im Rollstuhl sitze geht es mir einigermaßen gut. Dies klingt komisch, aber dann habe ich zumindest eine gewisse Mobilität. Außerdem kann ich mit allen Sachen, die Räder haben ganz gut umgehen. Auch wenn ich immer wieder mal einen Adler aus dem Rolli mache und dann wie eine Schildkröte auf der Erde liege. Bis jetzt haben immer andere Leute mir geholfen wieder in mein Gefährt zu kommen. So zuletzt am 2. Weihnachtstag, nachdem mir geholfen wurde habe ich Frohe Weihnachten gewünscht. Ich glaube die Leute haben sich den Rest des Tages ganz gut gefühlt. So gesehen auch eine gute Tat, von mir. Ich war zwar nie Pfadfinder, aber jeden Tag eine gute Tat ist auch ein guter Vorsatz.
In den vergangenen Tagen waren viele Dinge, die ich noch niederschreiben wollte. Nur habe ich viele wieder vergessen
Heute habe ich den Rolli aus dem aus Fahrersitz im Auto aus zerlegt und reingehoben. Mit der richtigen Technik ist dies mit etwas Übung ganz gut machbar. Auf jeden Fall ein positives Erlebnis, was einen wieder aufbaut.
Ein Problem, dass ich zurzeit habe, ist sicher meine geringer werdenden Fortschritte oder Erfolgserlebnisse. Technisch gesprochen gehen sie asymptotisch gegen null.
Die Einschränkungen, die ich momentan durch meinen Dekubitus habe tun ein Übriges.
Auf der anderen Seite gibt es auch immer wieder positive Erlebnisse, die einen aufbauen oder motivieren. So zum Beispiel alle die aufmunternden E-Mails und die Hilfen von anderen Personen.
Auch die verlegte Weihnachtsfeier meiner Abteilung in die Klinik ist ein ganz besonderes Erlebnis. So was gibt’s nicht alle Tage, keine Frage.
So was wie einen Durchhänger zu haben ist bestimmt normal, also werde ich wieder die positiven Gegebenheiten wieder mehr in mich aufnehmen.
Ich glaube so ähnlich habe schon des Öfteren geschrieben, demnach im Westen nichts Neues.
Genug Frust abgelassen, morgen wird bestimmt ein guter Tag.
B. Pasman